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1995: Peace on Earth E-Mail

08.07.1995 / Ort: Berlin / 500.000 Teilnehmer / Wagen: 35

Ralf Regitz 01: 1995 hatten wir unseren ersten Streß: Auf einmal waren wir keine Demonstration mehr ... Wir hatten mehr oder weniger aus den Medien erfahren, daß der damalige Innensenator Heckelmann plötzlich mauerte.

Thomas Koch 21: Bei dieser ganzen Geschichte hat damals unheimlich viel am finanziellen Aspekt der Müllbeseitigung durch die Stadt gehangen. Bernd Müller 36: Die Veranstaltung war bisher immer als politische Demonstration genehmigt worden, und deshalb hat die Stadt Berlin auch die Kosten, die im Rahmen dieser Veranstaltung auf der Demonstrationsstrecke enstanden sind, getragen.

Sabine Tümmler 37: Aber eine politische Demonstration ist die Love Parade schon lange nicht mehr, das war sie am Anfang, als Techno bei den Leuten noch gar nicht bekannt war, als ein VW-Bus vorweg fuhr und hundert Leute hinterhergelaufen sind, um eine neue Art von Lebensstil zu demon-strieren. Das sehen die Veranstalter natürlich ganz anders. Wenn ich Veranstalter wäre, würde ich das auch anders sehen, weil natürlich eine ganze Menge damit zusammenhängt, was man dann selbst organisieren müßte, worum man sich kümmern müßte.

Bernd Müller 36: Die Problematik ist eigentlich, daß die Veranstalter schon seit Jahren Erfahrungen gesammelt haben, wie die Veranstaltung durchzuführen ist, aber teilweise sehr spät aus den Pötten kommen, um über Konzepte nachzudenken. Wir haben unsererseits mit den Veranstaltern schon von Anfang an enge Kontakte gepflegt, um zu überlegen, wie man es logistisch am besten in den Griff kriegen kann.

Sabine Tümmler 37: Das war ja jedes Jahr das Gleiche! Jedesmal haben wir von der Berliner Stadtreingung nach der Love Parade gesagt: „Leute, laßt uns bitte alle eher zusammensetzen, wir haben da ein Problem!“ Und jedesmal haben die gesagt, sie hätten die Anmeldeformulare noch nicht bei den Behörden eingereicht. Der Zug rollt dann schon, und Sie können das eigentlich nicht mehr aufhalten. Außerdem würde sich der Berliner Senat nicht erlauben, zu sagen: „Leute, es ist keine Demo, es ist eine Veranstaltung!“, wenn sozusagen alle schon ihre Sachen gepackt haben, um zur Love Parade nach Berlin zu fahren. Es ist ja nicht so, daß die Berliner Stadtreinigung das nicht innerhalb kürzester Zeit bewältigen könnte. Ich meine, die Demo ist um Mitternacht irgendwann zu Ende und zwölf Stunden später glauben Sie überhaupt nicht mehr, daß Sie an dem Platz sind, wo das stattgefunden hat! Auch im Tiergarten sind die Hinterlassenschaften dann weg, zumindestens die sichtbaren Schäden. Was da im Erdreich an Pipi versickert, dagegen können wir auch nichts machen, da können wir nur hoffen, daß es danach ordentlich regnet, damit sich das verdünnt. Das dauert zwei, drei Tage, dann ist das erledigt. Nein, es geht dabei einzig und allein um die Frage der Finanzierung, und es ist ja leider nicht genau nachweisbar, wer was daran verdient. Aber da wird auf jeden Fall seit Jahren von den Berliner Hotels, der Berliner Wirtschaft und ...

[ ... mehr im Buch: LOVE PARADE STORY]

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