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1993: Fifth Anniversary E-Mail
03.07.1993 / Ort: Berlin / 30.000 Teilnehmer

Dr. Motte 04: Wir hatten im Vorjahr innerhalb der Love Parade GbR Probleme gehabt, und nun gab es auf einmal zwei Lager. Das eine Lager waren Jürgen Laarman und Ralf Regitz, das andere ich, Sandra und Kati Schwind. Es hatte einen Bruch gegeben, zumindest für mich. Ich habe gesehen, daß es verschiedene Interessen gab. Ob es jetzt nur ums Geldverdienen ging oder darum, Kultur zu etablieren oder dem gerecht zu werden, was an Musik und Gemeinsamkeiten da war. Ich hatte einen Wandel durchgemacht: Von ‘92 auf ‘93 hatte ich einen persönlichen Tiefpunkt, ich war in ein Loch gefallen, und zwar als Resultat eines Eigenversuchs, den ich an Silvester ‘92/’93 mit LSD unternommen hatte. Ich hatte einfach wissen wollen, wie das ist, und dann gab es plötzlich nur noch die eine Frage: warum und warum nicht. Hinsichtlich allem. Weil ich zu Hause war und mit niemandem darüber gesprochen habe, war es natürlich so, daß ich darauf keine Antwort bekam. Morgens habe ich mich gefragt: Soll ich aufstehen, oder soll ich nicht aufstehen? Soll ich leben, oder soll ich nicht leben? Soll ich sterben, oder soll ich nicht sterben? Soll ich mir die Zähne putzen oder nicht? Es ging einfach um alles. Ich habe mich zu Hause eingesperrt, das Telefon rausgezogen und habe vegetiert, vor mich hin gelebt und mir irgendwann auch keine Gedanken mehr drüber gemacht, sondern habe das so laufen lassen. Zwei Monate lang. ...

... In diesen zwei Monaten habe ich mich von meinen Emotionen treiben lassen, ...

... und es hat damit geendet, daß eine Stimme in mir gesagt hat: Der einzige, der wirklich weiß, was gut für mich ist, bin ich selbst. Ich hatte erkannt, daß ich derjenige sein muß, der aktiv mein Leben so zu gestalten hat, daß es mir gut geht. Das heißt, die Umgebung so gestalten, mich selbst so einzubringen, daß ich dazu ja sagen kann, daß ich mich gut fühle, tiefe Gedanken habe und das alles. Weil ich natürlich nicht leiden will, sondern das Maximum an Glück pro Zeiteinheit haben möchte. Ein Maximum an Lebensqualität. Ich habe auch erkannt, daß niemand mich so gut kennt wie ich mich selbst. Und das hatte im Endeffekt auch eine Wirkung auf das, was ich mache, auch darauf, was ich mit der Love Parade tue, ich habe eine ganz andere Sehweise bekommen: Weil ich erkannt habe, daß es wichtig ist, daß Menschen zusammenkommen auf dieser Erde und nicht übers Wort miteinander kommunizieren, sondern über die körperliche Bewegung, über die Musik, das Zusammensein, über das Treffen, über das Sich-Verabreden. Dadurch, daß man gemeinsam etwas tut. Und das ist für mich ein ganz neuer Ansporn gewesen, die Love Parade neu durchzuziehen. Ich habe etwas Positives in die Welt gesetzt, etwas, was Positives bewirkt, und es ist kein Muß, sondern ein Kann, die freiwillige Entscheidung jedes einzelnen, der dann sagt: Ja, ich gehe da mit, und ich finde das gut, und ich bringe da was mit ein und mache das, was ich wichtig finde. Ob er jetzt dafür oder dagegen ist. Ich finde es interessant, daß überhaupt die Möglichkeit besteht, daß sich so viele Menschen treffen und daraus machen können, was sie wollen. Wir bieten ein Forum an, auf dem unheimlich viel passieren kann. Was jeder einzelne daraus macht, das hängt von jedem einzelnen ab. Viele Menschen merken, daß sie das auch dementsprechend nutzen und sich

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