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1992: The Worldwide Party People Weekend E-Mail
04.07.1992 / Ort: Berlin / 15.000 Teilnehmer

Thomas Koch 21: Die Frankfurter Aktivisten hatten sich ‘92 zusammengeschlossen, um die Idee des Techno-Reisens, das ja bisher im Auto stattgefunden hatte, in eine neue Dimension zu führen: Wir bedienen uns eines anderen Transportmittels und erdreisten uns, einfach einen ganzen Zug zu mieten. Das war so ‘n bißchen dieser Größenwahn im positiven Sinne: Aus heutiger Sicht völlig banal, alles schon dagewesen, es gab ja schon den Air-Rave im Flugzeug – aber für damals war dieser ersten Sonderzug nach Berlin wirklich ganz weit vorne.

Tim Renner 13: Ich erinnere mich noch an einen TV-Beitrag darüber und an Gespräche, in denen das von Low Spirit diskutiert wurde. Ich hielt das damals für ne gigantomanische Idee, wo ich dachte: „Ups, gehen wir hier nicht nen Schritt zu weit?“ Und nachher fand das wirklich statt!

Mario de Bellis 29: Das waren Frankfurter Organisatoren aus mehreren Clubs, die zusammen ein Wochenende nach Berlin und zurück organisiert haben. Für Unterkunft mußte man selber sorgen, ich weiß es nicht genau, ich bin dort leider nicht mitgefahren. In dem Zug, dem „Love Train“, haben schon auf der Hinfahrt sehr viele DJs aufgelegt. Das hat dann zweihundert, dreihundert Mark gekostet, dafür biste nach Berlin und zurück und hast amtliche DJs im Zug gehabt und eben Spaß pur.

Thomas Koch 21: Da ist alles aus der Frankfurter Szene mitgefahren, was Rang und Namen hatte, wer was auf sich hielt, wer bei dem Experiment dabei sein wollte. Das war eine Parade schon vor der Parade, eine unglaubliche Feier. Diese dreihundert Leute waren schon mehr als eingetuned, als sie in Berlin ankamen. Es war dieses sich Hinwegsetzen über irgendwelche Gegebenheiten: Es war scheißegal, ob der Zug schaukelt und dann mal die Nadel springt. Wir feiern, koste es was es wolle, egal. Wir besetzen, okkupieren alles. Für die Berliner Szene war es wohl eher ein Erlebnis der gemischten Gefühle, als die Frankfurter einliefen: Freude, daß es da soviel Zuspruch gab, vielleicht auch ein bißchen Angst oder Respekt vor dieser Aktion, oah, jetzt fallen die hier ein. Sicherlich haben sich die Berliner über jeden gefreut, der zur Parade kam, aber da kam auch das Berlin-Frankfurterische Ding dazu: In zwei Metropolen saßen die wichtigsten Macher, die für sich beansprucht haben: „Ich war’s!“ Da ging’s bei einigen um den Verdienst, wer mehr geleistet hat.

Tim Renner 13: Die Frankfurter und die Berliner waren von der Pose her nicht unbedingt gleich- gesinnt, aber es waren schon Leute, von denen du das Gefühl hattest, die unterzeichnen alle eine Karte. Also, klar, Frankfurt war vielleicht exhibitionistischer, noch mehr auf das Ich bezogen, aber es ging um dieselben musikalischen Inhalte, es ging um dieselbe gesamtheitliche Definition. Diese ganzen Verwerfungen, die zwischen Berliner und Frankfurter Szene entstanden, waren teilweise auch Eitelkeiten von Labels. Das war ne Eye Q/Logic-Fraktion versus ne Low-Spirit-Fraktion. Es war teilweise wirklich so

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