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1991: My House Is U House And U House Is Mine E-Mail
06.07.1991 / Ort: Berlin / 6.000 Teilnehmer



Thomas Koch 21: 1991 haben sich zum ersten Mal die Häuptlinge aus den verschiedenen Städten gesehen – das war so eine Art Stammestreffen. Es gab die Szenen aus München, Hamburg, Berlin, Köln, Nürnberg, Stuttgart, Frankfurt; vielleicht noch Mannheim und Heidelberg – die trafen da zum ersten Mal aufeinander und sahen, daß es diese Bewegung in den anderen Städten genauso gibt. Bisher hatten sich die Szenen in den einzelnen Städten sehr isoliert voneinander gebildet, und auf einmal sah man: „Aha, das ist also der Häuptling aus München, und das sind die aus Berlin“, und das war wirklich eine unglaubliche Aufbruchsstimmung, nach dem Motto: „Wir basteln uns unsere eigene, kleine Subkultur, wir sind die neue Avantgarde“. Wie bei einer Expedition, wo du Neuland entdeckst.
Tanith
03: Auf einmal war klar: Die Love Parade ist nicht mehr nur ein Berliner Ding. Plötzlich kamen aus zig Städten Leute nach Berlin, um hier ne Love Parade zu feiern. Man hat zum ersten Mal gesehen, daß da in jeder Stadt eine kleine Szene existiert, und die Love Parade war quasi der Stempel darauf: So! Jetzt ist es amtlich. Wir sind ne richtig fette Bewegung!
William Röttger 22: Die Love Parade ‘91 war sozusagen die erste nationale, zu der sich auch die Initiativen, die sich in Westdeutschland gebildet hatten, einfanden – also alle Leute, die dort auch Clubs und Musik machten, und die man von Berlin aus nicht richtig mitbekam, weil Berlin ein Jahr vorher noch vom westlichen Deutschland getrennt war, durch Mauer und Stacheldraht. Hier gab es bekannterweise so ein Inselbewußtsein, es hat einen nicht groß interessiert, was in Westdeutschland passierte. Die ersten zwei Jahre hat man hier einfach die Parade gemacht und sich nicht darum gekümmert, ob unter Umständen jemand aus Westdeutschland ein Interesse daran haben oder gar dazukommen könnte. Bis ‘91 hatte sich das Ereignis allerdings so weit herumgesprochen, daß gegenseitig Kontakt aufgenommen wurde und auch eine größere Promotionaktion unter der Aegide von JL vom Efa-Büro aus gestartet wurde, zum ersten Mal nation-wide. Da gab es ein ziemlich wildes grünweißes Love-Parade-Logo-Plakat mit einer sehr offensiven grafischen Ansage, die das, was in den folgenden Jahren passieren sollte, schon andeutete. Im Nachhinein sieht man deutlich, daß ‘91 der Auftakt war, der Beginn dieser ganzen großartigen Technobewegung, der sich in den folgenden Jahren Hunderttausende anschliessen würden.

Verena Vehling 23: Ich war damals 17. Ich habe in einem Kölner Club an der Bar gearbeitet und habe dann das erste Mal an einer Parade teilgenommen. Aber es war irgendwie absurd: Ich hatte überhaupt keine Vorstellung davon, was da auf mich zukommt.
DJ Hooligan 20: Ich bin mit einem Freund, meiner Freundin und zwei Bekannten nach Berlin gefahren. Ich wußte nicht mal so genau, wo das nun hingeht. Wir hatten nicht viel Geld damals, und wir hatten auch kein Auto, was zur Verfügung stand. Aber dann haben wir doch noch eins gefunden: Das hatte aber einen kaputten Reifen, und dann ...

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