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1990: The Future Is Ours E-Mail

07.07.1990 / Ort: Berlin / 2.000 Teilnehmer / Wagen: 6

Mijk van Dijk 11: 1990 herrschte in der ganzen Stadt ein großes Kribbeln durch diese Erfahrung, daß plötzlich Ost und West wieder begehbar waren. Man wußte noch nicht, was aus der DDR werden sollte, denn formell existierte sie ja noch, aber man konnte sich für einen kurzen Moment eine Welt vorstellen, in der es plötzlich nicht mehr um Fragen von Krieg und Dominanz geht, da die Pattstellung zwischen West und Ost, zwischen Nato und Warschauer Pakt, aufgehoben wurde. Es war auf einmal vorstellbar, daß man in ein Goldenes Zeitalter eintritt, in dem sich alle lieb haben, und mir kam es so vor, als wenn das Motto der damaligen Love Parade, „The Future Is Ours“, auf uns bezogen war. Die Welt war dabei, sich neu zu formieren, wir hatten eine neue Musik, die aufregend war, und es lag an uns, es in die Hand zu nehmen, unseren Weg zu gehen und formend einzugreifen.
Sven Väth
12: In Berlin herrschte Aufbruchstimmung, überall war dieses Gemeinschaftsgefühl zu spüren. Das hat uns alle unwahrscheinlich mitgenommen, und das Motto war ein Aufruf und ein ganz wichtiges positives Signal.
Tim Renner
13: Am Abend des Mauerfalls, am 9. November ‘89, hatte mich WestBam per Handy aus Ost-Berlin angerufen. Ich war noch im Büro und hatte bis spät nachts durchgearbeitet und er meinte: „Renner! Du glaubst nicht, was hier passiert ist! Ich steh gerade in Ost-Berlin!“ Und ich: „Du stehst in Ost-Berlin? ...“ Und er: „Ich bin gerade über die Mauer gesprungen!“ Und ich so: „Bitte!?!“ Und dann hab ich erst das Fernsehen eingeschaltet und mitgekriegt, was passiert. WestBam ist Münsteraner, aber er lebt in Berlin, und an dieser Geschichte merkt man schon, welche Relevanz das für die Leute dort hatte! Das ist natürlich ein ganz anderes Erleben, als wenn du in Hamburg bist, und da kommen die Zonis am nächsten Tag mit ihren Trabis an, die mit Schokolade und Bananen dekoriert sind, und die Läden haben länger offen. Das war für uns Hamburger der Mauerfall. Aber für Berlin war das natürlich eine viel, viel intimere Geschichte, weil plötzlich ihr Umland dazukam. Insofern war es auch für die im Entstehen begriffene Bewegung viel, viel einfacher, den Osten zu absorbieren, ihn komplett mit einzubeziehen, als es hier war. Hier fielen die Zonis eigentlich immer eher negativ auf. Sie waren ein störendes Element in einem perfekten westlichen Environment. Berlin war ne absurde Regelung – das war eine Insel innerhalb eines östlichen Environments und konnte sich deshalb viel schneller arrangieren, einfach aus der eigenen Geschichte heraus.
Tanith
03: Das war eine gegenseitige Befruchtung: Die aus dem Osten haben damals ein paar Sachen aus dem Westen gelernt, und auch ich hab damals ne Menge von dem Ost-Verständnis gelernt. Wir haben vieles von denen übernommen, weil wir gemerkt haben, mit denen kann man ja super feiern und reden und so. Man hat von allen das genommen, was am besten paßte, was am coolsten war.
Hardy Hard
(hardsequencer) 14: Durch den Fall der Mauer hat das Ganze einen Auftrieb bekommen, und zwar dadurch, daß da plötzlich ein ganzes Volk aus seinem Land hinausdurfte, und dieses Volk war reiselustig, wollte was erleben und was nachholen, was es bisher vermeintlich verpaßt hatte. Ich erinnere mich zu gerne daran, als die ...

[ ... mehr im Buch: LOVE PARADE STORY]

» 2 Kommentare
2Kommentar
am Samstag, 24. Mai 2008 23:52von Jogi1060
Oh man.. das war MEINE erst... lang lang ist her. 
Schade das der Beliner Senat nicht bemerkt hat, das hier ein Stück Musikgeschichte, Berlin den rücken Zugekehrt hat. 
Denn der Name Love Parade ist und bleibt fest mit Berlin verbunden. 
Hier gehört sie hin, und hat sie ihre wurzeln.
1Kommentar
am Freitag, 22. Februar 2008 14:53von bert
... schade, dass es hier noch kein Video gibt. Vielleicht hat ja jemand eins und schickt es Lopa zu.
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